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Stadt Bern: JA zur Plakatwerbung – NEIN zum vollständigen Verbot und der Zensur von kommerzieller Werbung im öffentlichen Raum

Verbotsforderung in Kürze

Mit 30 gegen 29 Stimmen hat das Stadtparlament die Motion "Keine Kommerzielle Werbung im Aussenraum; Revision von Reklamereglement und ggf. Bauordnung der Stadt Bern" der Alternativen Linke (AL) zusammen mit anderen links-grünen Parteien überwiesen, der ein vollständig restriktives Verbot von «kommerzieller Werbung» im öffentlichen Raum und sogar auch auf privatem Grund des gesamten Gemeindegebiets  vorsieht. Einzelheiten siehe Geschäftsdetails auf der Webseite der Stadt Bern.


Negativen Folgen eines moralisch geprägten Plakatverbots in der Stadt Bern

Der Verband Aussenwerbung Schweiz lehnt den Vorstoss in der Stadt Bern aus den folgenden 8 Gründen vollumfänglich ab.

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  1. Zensur in der Stadt Bern
    In den Augen der Plakatgegner stehen kommerzielle Plakate für Botschaften «von fetten, hubraumstarken, benzinfressenden Personenwagen von Luxusmarken». Die Realität ist eine ganz andere. Die allermeisten kommerziellen Plakatbotschaften kommen aus ganz anderen Ecken und Branchen und fördern den Wettbewerb, Differenzieren Marken und Dienstleistungen, machen bekannt und mobilisieren. Zum Nutze der Konsumentinnen und Konsumenten. Übrigens: Ein Spendenaufruf für einen guten Zweck ist auch eine «kommerzielle» Botschaft und wäre künftig nicht mehr möglich.

    Die Galerie zeigt Beispiele von «kommerziellen» Plakaten (die in der Stadt Bern aktuell im Aushang sind oder im 2024 waren), welche künftig der Zensur zum Opfer fallen würden.
     

  2. Hindernis für die Entstehung einer umweltbewussten Gesellschaft
    Werbegegner wollen eine Antwort auf den übermässigen Konsum in unserer Gesellschaft geben. Um die Klimanot zu bekämpfen, müssen kurze Kreisläufe, die Kreislaufwirtschaft und Innovationen gefördert (z.B. Elektromobilität, ÖV, Bioprodukte etc.) werden. Werbeverbote betreffen auch solche Kampagnen und verfehlen damit das Ziel. Übrigens: Die Aussenwerbung erreicht Menschen besonders effizient (one-to-many) und hat unter allen Werbemitteln den weitaus kleinsten CO2-Fussabdruck, wie verschiedene Studien beweisen.​
     

  3. Unfaire Konkurrenz begünstigt US-Giganten
    Die ersten Opfer dieser Zensur werden lokale KMU und (wohltätige) Organisationen sein, die nicht mehr in der Lage sein werden, ihre Produkte und Dienstleistungen vor Ort mit Plakaten, notabene das Medium mit dem günstigsten Preis-/Leistungsverhältnis und feiner geolokalisierter Aussteuerungsmöglichkeit, anzupreisen. Für die Aussenwerbebranche ist undiskutabel ist, dass ein Werbeverbot einseitig das Medium «Plakat» trifft. Die Gewinner werden die GAFAMs (Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft) sein. Jene Internetgiganten und Megakonzerne, die uns ungebremst auf unseren Bildschirmen – äusserst energieintensiv - mit Werbung berieseln. Diese schaffen zwar Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, ja... aber in den USA und nicht in der Schweiz! Werbeverbote werden also genau den unregulierten globalen Konsum fördern, gegen den sie vorgibt anzukämpfen.
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  4. Täuschung über das Versprechen einer Veränderung der Stadtlandschaft
    Bei kommerziellen Werbeverboten würde das Stadtbild weiterhin von nicht-kommerziellen Plakaten eingenommen werden. Das Recht auf Wirtschafts- und Werbefreiheit besteht weiterhin. Plakate im Umkreis von 5m rund um einen Verkaufspunkt sollen weiter erlaubt sein. Dies sowie der fehlende gesetzliche Rahmen könnte zu wilden Plakaten mit einer Fülle von hässlichen Graffitis, beleidigenden und sexistischen Slogans führen. Die von Plakatgegner:innen oft zitierten Städte Grenoble und Sao Paolo sind übrigens keineswegs aussenwerbefrei. Im Gegenteil: Sie verfügen über Plakatierungskonzepte sowie nachweislich über tausende – vor allem digitale – Plakatflächen, die der öffentlichen Hand wichtige Einnahmen bringen. 

     

  5. Finanzieller Verlust und Mehrkosten
    Die Initianten in Bern unterschätzen Aufwand und Kosten für die rentable Instandhaltung der Plakatwände und das Anbringen von kulturellen und politischen Plakaten. Und sie haben die indirekten Verluste von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen nicht berücksichtigt. Die Bereiche der visuellen Gestaltung und des Vertriebs (Grafiker, Werbefachleute, Drucker, Plakatkleber usw.) werden hart getroffen. Ob man Plakate mag oder nicht, ein Verbot bedroht zahlreiche lokale Arbeitsplätze, und das nicht nur bei den Aussenwerbefirmen. Der Stadt Bern entgehen darüber hinaus Einnahmen von 5 Mio. Franken. Damit liessen sich zum Beispiel über 260 Kinderkrippenplätze* finanzieren.
     

  6. Unsere gesunde, soziale Marktwirtschaft und das Recht auf Meinungsbildung wird «abgewürgt»
    Werbung ist ein Teil des Erfolgsmodells der Schweiz. Die Werbung für ein legales Gut, ein Produkt oder eine Dienstleistung ist notwendig und Ausdruck von Arbeit, Innovation und Alleinstellungsmerkmalen. Ohne Werbung ist es für ein Unternehmen schwierig, sich zu entwickeln und zu existieren! Werbung informiert den Konsumenten, der seine Konsumgüter vergleichen oder mit höheren Ansprüchen auswählen kann (biologisch abbaubare Materialien, lokale Herstellung, Produkte mit geringem Verbrauch usw.). Um schliesslich eine Marke zu verbessern und ein Unternehmen dazu zu bewegen, in Forschung und Entwicklung zu investieren, muss man die Möglichkeit geben, ein neues oder innovatives Produkt bekannt zu machen. Die Plakatwerbung als Motor einer gesunden Wirtschaft spielt daher eine entscheidende Rolle.
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  7. Eine moralisierende Sichtweise, die die Bevölkerung infantilisiert
    Mit kompromissloser Haltung, Moralisierung und Zensur beurteilen Werbegegner die Bürgerinnen und Bürger als urteilsunfähige Wesen. Werbegegner:innen gehen davon aus, dass Bürgerinnen und Bürger nicht in der Lage sind, ihre Konsumentscheidungen im Griff zu haben, und dass es Aufgabe des Staates ist, sie zu bevormunden und zu mehr Nachhaltigkeit zu erziehen. 
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  8. Eine inkohärente und willkürliche Regelung
    Zu dem absoluten Werbeverbot macht der politische Vorstoss eine Ausnahme: "kulturelle Plakate". Aber wie wird definiert, was Kultur ist? Darf mit dieser Regelung Netflix Werbung für einen Dokumentarfilm machen? Ist ein Rammstein-Konzert nicht reiner Kommerz? Ist es den Bühnen Bern erlaubt, Plakate für das Eröffnungsfest der Saison auszuhängen mit Sponsorenlogos von Luxusmarken? Darf man für Veranstaltungen mit kommerziellem Absatz - wie Handwerkermarkt, Stadtführungen, Vernissagen noch werben? Die Regelung ist willkürlich, zumal kommerzielle Aussenwerbung auf und in Fahrzeugen von Bernmobil, in Sportstadien (die der Stadt gehören) weiterhin erlaubt bleibt. 

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(*Berechnungsbasis: Median-Tarife, Studie der CS 2021. Quelle: Artikel  "Kinderbetreuung in der Schweiz" vom 06.02.2024 in der NZZ)

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